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Damian "Junior Gong" Marley:
"Am Ende des Tages sind wir alle nur Menschen!"



Junior Gong

germaica.net/341: Es war eine ziemliche Überraschung für mich, zu hören, dass „All Night“ deine nächste Single ist, denn genau auf Songs wie diesen wollte ich Bezug nehmen in anderer Sache, denn die erste Single aus deinem letzten Album „Halfway Tree“war „It Was Written“...
Jr. Gong: Nein, die erste Single war „Still Searching“. „It Was Written“ war die erste für Jamaika und „Still Searching“ war die erste für den internationalen Markt.

germaica.net/341: Ab „It Was Written“ war aus meiner Sicht populärer?
Jr. Gong: Ja, sie war populärer, speziell in der Reggae Community.

germaica.net/341: Das ist wohl wahr. Für das neue Album „Welcome To Jamrock“ war „Jamrock“ die erste Single. Und ich habe mich gefragt, ob du vielleicht manchmal Angst hast, dass dich die Leute denken, dass du als Künstler nur ernsthafte Lieder machst. Aber nun veröffentlichst du „All Night“ und im Prinzip habe ich nun schon eine Antwort.
Jr. Gong: Die Welt soll schon mitbekommen, was ich Ernsthaftes zu sagen habe, aber sieh mal, am Ende des Tages sind wir alle nur Menschen. Und Menschen haben verschiedene Emotionen zu unterschiedliche Zeiten. Aber es stimmt, in „All Night“ geht es mehr um Spaß und nicht so sehr um ernsthafte Dinge, wie Du schon gesagt hast. Aber hör zu: es geht ja auch darum unterschiedliche Seiten von dir zu zeigen, weißt du.


Junior Gong

germaica.net/341: Aber siehst du dich selbst manchmal als eine Art Vermittler oder Überbringer?
Jr. Gong: Ich betrachte mich selber als einen Rastamann und einen Jungen, der halt Einiges zu sagen hat. Ich bin eine Person, die Menschen durch die Musik aufzurichten versucht. Und in dieser Musik geht es um das Leben an sich, und das Leben ist nun mal nicht immer gleich. Das ist wie, wenn du in der Armee bist und ständig Armee-Klamotten trägst, aber auch manchmal einfach Lust hast ein T-Shirt zu tragen. Genauso ist es mit der Musik.

germaica.net/341: Okay, aber weißt du, ich habe das auch gefragt, weil du für beide Alben Bounty Killer hinzugezogen hast. Und ich dachte, das wäre vielleicht deshalb, weil du dich eben in einer ähnlichen Rolle siehst, wie er sie innehat.
Jr. Gong: Ja, in mancher Hinsicht denke ich schon, dass ich die selbe Rolle wie er habe, aber wir haben auch unterschiedliche Rollen zu erfüllen. Ich meine, wir sind halt beide Deejays. Wir beide erheben uns. Aber weißt du, Bounty Killer ist einfach Bounty Killer. Er ist sein eigener Charakter. Aber es ist auch so, dass ich wirklich ein großer Fan von Bounty Killers Musik bin. Er war schon einer meiner Lieblings Deejays als ich noch zur Highschool ging. Ich hab so oft Bounty Killer gehört. Und das ist tatsächlich auch der Grund, warum ich ihn dabei haben wollte.

germaica.net/341: Nebenbei: Welche Bounty Tunes sind deine Favoriten?
Jr. Gong: Meine Lieblings Bounty Killer Tunes? Hm, das gibt es eine Menge. ... Ich mag “Eagle and the Hawk,” ich mag “Look,” “Fed Up” ...eine ganze Menge eben.

germaica.net/341: Wie hast du die anderen Features für das Album ausgewählt? Nur um ein Beispiel zu nennen, wie kam es zu dem Feature mit Bobby Brown, was schon wirklich eine Überraschung für mich war. Oder auch Nas. Ist vielleicht auch ein Grund, dass du möchtest, dass eine Menge Leute auf der Welt, auch mit unterschiedlichen Musikgeschmäckern, deine Musik hören. Willst du das offen halten?
Jr. Gong: Ich erklär´s dir. All dieses Sachen, das auf Leute einwirken, oder neue Leute erreichen wollen und so weiter, all das steht erst an zweiter Stelle. An erster Stelle steht, dass ich wirklich liebe, was all diese Leute tun. Als Beispiel Nas und Black Thought. Pass auf, wir haben an „Road To Zion“ gearbeitet, und als wir diesen Riddim gebaut haben, dachten wir uns, dass Nas ziemlich gut auf dem Riddim klingen würde, den der klang wie ein Riddim, den Nas wahrscheinlich selbst auch benutzen würde.


Junior Gong

germaica.net/341: War es einfach an Nas ranzukommen?
Jr. Gong: Lass es mich mal so sagen, es war nicht wirklich schwer, in diesem Sinne. Wir haben ihn halt eingeladen und er kam auch dazu, obwohl er jetzt nicht wirklich viel Zeit hatte, und nun haben wir diesen blessing Track – so, give thanks! Aber weißt du, die Musik bestimmt am Ende, was stattfinden sollte. Es gibt eine Menge Leute, die gern mit mir arbeiten würden, aber so etwas kommt immer auch darauf an, um was es in dem jeweiligen Track geht. Und demnach bestimmt der Track, wer dabei sein sollte. Als ein weiteres Beispiel, die Sache mit Bobby Brown, was so überhaupt nicht geplant war. Er arbeitete gerade an seiner TV Show und kam für eine Szene bei uns im Studio vorbei. Und wo er schon mal da war und unsere Musik gehört hat, war er eben einfach dabei, weißt du. Dieser Zufall war wirklich mehr als ein Segen für uns, aber wir hatten ihn zunächst nicht wirklich für ein Feature vorgesehen.

germaica.net/341: Hast du eigentlich alle Songs in ein und demselben Studio aufgenommen?
Jr. Gong: Wir pendelten für die meisten Aufnahmen zwischen Jamaika und Miami hin und her. In Jamaika haben wir ein eigenes Studio, da wo ich zu Hause bin, und manche Sachen aber wir auch in New York oder einigen anderen Orten gemacht…

germaica.net/341: Machst du dir manchmal Sorgen, dass einige Leute deine Songs vielleicht gar nicht verstehen, weil du ja nun nicht wirklich in sauberem Englisch singst. Ich meine, es könnte schon härter sein, vielleicht bei Elephant Man – nur um mal ein Beispiel zu nennen -, aber du weißt, was ich meine. Du sprichst kein klares Englisch.
Jr. Gong: Ja, ich versuche schon so universell wie eben möglich zu sprechen, um so viel wie möglich Leute erreichen zu können. Ich versuche schon Themen anzusprechen, die Leute auch für sich übernehmen können. Und dann habe ich meine Texte ja auch immer in meinem Albumcover stehen. Also, wenn sie die CD kaufen, dann haben sie ein Booklet, in welchem sie die Texte nachlesen können. Das hilft immer.

germaica.net/341: Mich würde noch interessieren, ob es für dich eine größere Herausforderung ist vor Leuten auf einem Festival wie dem Sting zu spielen, welche ja oft sehr straight und kritisch sind, oder vor Leuten, die unter Umständen deine Texte gar nicht verstehen, wie z.B. gerade hier in Deutschland?
Jr. Gong: Naja, ich spielte auf dem Sting Festival als Kind. Seitdem habe ich gar nicht mehr da gespielt. Das war schon gut, weißt du. Ja, wir hatten eine gute Show dort.

germaica.net/341: Ich weiß, aber ich habe Sting auch nur als Beispiel für das eine Extrem gewählt.
Jr. Gong: Wenn du in Jamaika spielst, ist das sowieso schon mal anders, weil diese Musik von dort kommt. Weißt du, die Leute dort sind einfach gewöhnt diese Musik oft zu hören. Die haben diese Musik ständig. Also, in diesem Sinne ist das schon mal ein Unterschied. Aber eigentlich halten wir die Dinge immer gleich, wir wollen die Dinge genießen. Und du musst halt auch zusehen, dass alle Freude an der Sache haben. Es geht um die Kommunikation zwischen dir und dem Publikum. Und wenn du die Kommunikation richtig anstellst, ist auch alles gut. Es ist auch egal ob das nun in Deutschland ist. Das macht keinen großen Unterschied.

germaica.net/341: Es ist also beides nicht mehr oder weniger schwierig?
Jr. Gong: Nein, es ist nicht schwierig, es ist beide spirituell. Es geht um die Energie. Und wenn du Energie gibst, und sie das merken, dann geben sie dir auch Energie zurück. So arbeitet man quasi zusammen, weißt du?

germaica.net/341: Ich hab in deinem Booklet zu „Halfway Tree“ denn folgenden Satz gefunden: „Our generation will make the change.“
Jr. Gong: Yeah!


Junior Gong

germaica.net/341: In deinem Tune „For The Babies“ wiederum sprichst du nun über Dinge wie, dass unsere Eltern uns über gewisse Dinge Lügen erzählt haben, und wir nun dasselbe mit unseren Kindern machen… In Bezug darauf aber, dass du sagst, wir bringen die Veränderung: Wie ist deine Prognose? Was glaubst du, wird nun sein?
Jr. Gong: Okay… (lässt sich viel Zeit beim über seine Antwort nachdenken), was ich denke, ist Folgendes. Weißt du, wir haben Leute, wie Bob Marley und Bunny Wailer, Third Wold, Burning Spear, Culture ..., eine ganze Menge Künstler also, zu denen wir, als die jüngere Generation aufschauen können. Und die wiederum gehören zu der Generation, die angefangen haben Rastafarie in dem was sie kund zu tun haben, zu huldigen und eine Message zu verbreiten, welche von all dem beeinflusst ist. Meine Generation ist also die Generation, die mit dieser Musik aufgewachsen ist. Und deshalb bringen wir nun auch eine gewisse Vorsicht zu Tage. Und deine Eltern hatten sicher ihre Weise, über Dinge zu denken, meine Generation hat nun eine neue Ansicht, weißt du, eine andere Weise als unsere Eltern. Meine Generation ist gereift und wird nun die Führung übernehmen. Sie wird in der Lage sein, die Veränderung zu bringen, denn sie hat dieses Bewusstsein nun schon von Anfang an. Sie muss die Veränderung hervorbringen, weil die nötige Reife dafür bereits vorhanden ist. Verstehst du? Wir sind mit Bewusstsein aufgewachsen. Und das wird sich zeigen, wenn wir als Erwachsene damit umgehen werden.

germaica.net/341: Lass mich einen weiteren Satz aus diesem Booklet zitieren: „Thanks to Cindy and Bob for breaking the rules.” Ich schätze, du sprichst dabei über die Beziehung zwischen schwarz und weiß...?
Jr. Gong: Ich spreche von all den unterschiedlichen Dingen - das war auch die hauptsächliche Bedeutung von „Halfway Tree“. Meine Mutter zum Beispiel kam aus einer wohlhabenden Gegend, mein Vater stammt aus ärmlichen Verhältnissen. Mir ging es nicht nur um Rassen, es ging auch um verschiedene Klassen und um Religion. Und mein Vater stammt aus Afrika und meine Mutter ist Europäerin. Verstehst du? Es geht auch um verschiedene Kulturen. Und mein Vater war ein Rasta, meine Mutter nicht. Es herrschen verschiedene Klassenverhältnisse. Mein Vater war arm, meine Mutter nicht. Aber auch jemand der reich ist, kann Rasta sein. Hörst du, was ich sage? Rasta steckte in meinem Vater und meine Mutter hatte zu dieser Zeit keinerlei Wissen darüber. Das ist also schon mal ein Unterschied. Darüber hinaus sind sie aber beide einzelne Charakter, welche einfach darüber hinweggegangen sind, was ihre Erziehung, ihre Kultur oder ihre Eltern ihnen vermittelt hatten, wer oder wie dein Partner in deinem Leben sein sollte. Verstehst du? Damit haben sie also die Regeln gebrochen.


Junior Gong und Anne Kummerlöwe

germaica.net/341: Hattest du jemals irgendwo Probleme, wegen ähnlichen Dingen, oder wegen der Farbe deiner Haut etc?
Jr. Gong: Nein, nicht wirklich. Wenn solche Probleme auftauchen, dann auf Grund von Missverständnissen. Nur mal als Beispiel. Die Leute verstehen nicht, warum ich einen Song wie „Jamrock“ singe, weil ich einer guten Gegend in Uptown Jamaika aufgewachsen bin. Aber trotzdem kenne ich doch die Regierung und weiß, ich habe eine Menge familiäre Bindungen im Ghetto. Ich stamme aus dem Ghetto. Verstehst du, was ich sagen will? Ich habe niemals vergessen, wovon ich abstamme. Ein großer Teil von mir ist verankert in ärmeren Gegenden. Das ist die Sache, die oft zu Missverständnissen führt, nicht wie meine Haut aussieht, da sowieso jeder weiß, ich bin der Sohn von Bob Marley und so weiter – und das macht mich auch stolz. Aber du verstehst, das Hauptproblem ist die Missinterpretation der Aussagen.

germaica.net/341: Meine letzte Frage: Spielst du eigentlich auch so gut Fußball wie dein Vater?
Jr. Gong: Ich? Ja! ich spiele auch.

germaica.net/341: Welches Team war dein Favorit bei der Weltmeisterschaft?
Jr. Gong: Brasilien, aber … du weißt ja ...

germaica.net/341: Danke, dass du mir die Möglichkeit gegeben hast, diese Interview zu führen.
Jr. Gong: Awright, kool.

Text: Anne Kummerlöwe für germaica.net/341
Photos: Urban/Universal

 


LinkUp:

www.damianmarleymusic.com

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