
Am 13.03.04 waren Jah Sound in der Messestadt zu Gast. Diese Gelegenheit nutzte Mister K, um dem Geheimnis ihres Erfolges auf die Spur zu kommen und etwas über Reggae-Dancehall in den Niederlanden in Erfahrung zu bringen.
germaica.net/341: Seit 15 Jahren seit Ihr im Reggaebusiness. Was hat sich Eurer Meinung nach in dieser Zeit verändert?
Jah Sound: Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll diese Frage zu beantworten, denn zuviel hat sich in 15 Jahren verändert. Tausende Sounds entstanden in dieser Zeit, durch die Inspiration von Foundation und ich denke, das ist eine gute Sache für die Zukunft. In den Anfangszeiten reisten Soundmen durch ganz Jamaika und das Vereinigte Königreich, um ihre Killertunes zu bekommen, heute kaufst du sie einfach im Internet. Mit Dubplates ist es genauso.
Meine Lieblingsperiode reicht von 1985 bis 1995. Ich denke in dieser Zeit produzierten sie die geilsten Tunes, die Soundmen (überhaupt) spielen können. Heute, 2004, mag ich die meisten Hardcorenummern nicht, denn zu viele Riddims machen genauso wenig Sinn wie die Texte. Wir mögen Penthouse, Harmony House, King Jammy´s, Digital B und Shocking Vibes aus den frühen 90ern ebenso sehr, wie die Foundationtunes vor dieser Zeit. Wir lieben Luciano, Junior Reid, Dennis Brown, Beres Hammond, Capleton, Buju Banton, Sanchez, Jimmy London, Burro Banton, TOK, Sizzla, Anthony Redrose, Anthony B, Max Romeo, Ninja Man, Cutty Ranks, Junior Cat, Super Cat, Garnet Silk, Bob Marley, Burning Spear, Johnny Osbourne, Gregory Isaacs, Mycal Rose, Lee Perry, The Tamlins, Israel Vibration, Culture und Mighty Diamonds.
341: Ihr seid der bekannteste Sound aus den Niederlanden. Wie habt Ihr angefangen und wie würdet Ihr Euren Weg zum Erfolg beschreiben?
J.S.: Nun, es war ein harter Weg, denn Reggae war wirklich keine große Sache als wir '89 anfingen und so war es schwierig, die Dinge ins Rollen zu bringen. In dieser Zeit bewegten nur Hartical Wise und ich die ganze Geschichte. Es dauerte drei Jahre bis Shows endlich ausreichend besucht wurden. 1995 trat Glamma Willy mit Hazi, einem Holländer der in Hannover lebte, in Verbindung. Dieser Mann hatte gute Kontakte und ließ uns in ganz Deutschland auftreten. Er begann als unabhängiger Booker (Agent), doch schon bald wurde er Mitglied. Von dieser Zeit an spielten wir in Städten wie Berlin - Hannover - Cologne - Hamburg - Bremen - Essen - Detmold und weiteren. Ich denke, es war 1995, als wir Pow Pow auf dem Rheinländer in Essen schlugen. Ausserdem spielten wir auf Festivals wie dem Bongo Bongo Splash, Summer Jam (2 mal), Irie Festival (2 mal) und anderen.
341: Was würdet Ihr emporstrebenden Sounds mit auf den Weg geben. Habt Ihr ein paar Tipps?
J.S.: Also ich weiß nicht, ob ich der Richtige bin um gute Ratschläge zu verteilen, aber:
- Bringt mehr Foundation Tunes auf den Tanz zurück!
- Kauft nur Dubs, wenn Ihr die Chance seht, Ihr verdient damit Eure Ausgaben oder einen Teil davon zurück.
- Sitzt nicht nur da und wartet auf Shows, sondern baut so viele Verbindungen wie möglich auf. Letztendlich benötigt Ihr zehn bis 15 Stunden in der Woche, um Euer Soundsystem erfolgreich zu machen und Eure Ziele zu verwirklichen.
- Kauft soviel wie möglich Germaican Tunes, zur Unterstützung, denn sie sind es ganz sicher wert! (hahaha)
- Arbeitet immer mit Vertrag und Technical Rider, um Problemen vorzubeugen.
- Spielt niemals kostenlos.
- Bringt die Leute zum Lachen, wenn Ihr Eure Sache tut und versucht nicht so oft den bösen Jungen zu mimen.
- Seid sicher, dass Ihr bereit seid, wenn Ihr Eure erste Show habt.
- Denkt lieber zweimal nach bevor Ihr Euer eigenes Set zusammenstellt, denn es gibt ein paar wichtige Details, an die Ihr denken müsst, wenn Ihr Euch mit komplizierten Dingen, wie diesen befasst. Die meisten Veranstaltungsorte in Deutschland sind sehr professionell, deswegen macht es keinen Sinn ein eigenes Set mit sich rumzuschleppen, oder? Wenn wir unterwegs sind, nehmen wir unsere Platten, unseren Sampler und manchmal auch unser Delay mit.

Glamma Willy (Jah Sound)
341: Was ist der schönste und was der schlimmste Moment, an den Ihr Euch erinnert, seitdem Ihr am Start seid?
J.S.: Lass mich mit der schlimmsten Geschichte beginnen. Ich denke, es war 1997, als wir einen alten Golf mit 140 Sachen, in Bremen zerlegten. Wir waren auf dem Heimweg und unser Fahrer schlief hinter dem Lenkrad ein. Ich werde das niemals vergessen, denn in diesem Augenblick verloren wir beinahe unser Leben, unsere Plattenspieler, unsere Platten und unsere Dubs (es gab keine Sicherheitskopien).
Zu den besten Momenten in 15 Jahren zählen zwei Erlebnisse. Zum einen gehört dazu meine Show auf dem Parkway Hochdeck in Ochio Rios, in Jamaika 1996. Das ist der Veranstaltungsort, an dem Ninjaman zurückkam. Es war ein Ram-Dance-Event (ausverkauft).
Die andere angenehmste Geschichte, die mir je passierte, war die Tour mit Baldah auf Sizilien. Und ganz nebenbei, wir lieben ganz Italien (so) sehr.
341: Der Hype, den Reggaedancehall von Zeit zu Zeit, durch kommerzielle Erfolge von Interpreten wie Shabba Ranks, Shaggy oder Sean Paul erlebt, ist positiv oder eher negativ für Reggaemusic im Ganzen? Wie denkt Ihr darüber?
J.S.: Es ist gut für diese Artistes und die Musik, dass sie jetzt und später, etwas Erfolg haben. Wayne Wonder ist ein Mann, der ebenso wie Sean Paul, hart und sehr professionell für seinen Erfolg arbeitet. Aber in den kommenden Jahren braucht es mehr, um Reggaedancehall auf einem höheren Level funktionieren zu lassen. Die Medien müssen tiefer in die Szene eintauchen, damit die Leute alles darüber wissen, berichtige mich, wenn ich falsch liegen sollte. Das, was jetzt los ist, ist nur ein kleiner Teil des Potentials den Reggaedancehall hat.
341: Wie populär ist Reggaemusik in Euerem Land heute? Wie würdet Ihr unseren Leuten die Holland Massive beschreiben?
J.S.: Nach wie vor ist es schwierig, Clubprogrammgestalter zu bewegen, Soundsystemshows zu veranstalten, aber nach wie vor können wir hier und da auftreten, manchmal mit Rodigan oder Stone Love. Deutschland ist viel größer, als unser Land und die Underground Kultur ebenso. Housemusic beherrscht die Szene bei uns. Wir haben nicht viele Piratensender oder lokale Radiostationen, die Reggaemusic promoten.
Ich mag die deutsche Crowd mehr, als die holländische, denn die Leute dort, wissen über die Szene bescheid. Es gibt eine Menge professionelle Sounds in der Bundesrepublik, die überall in Deutschland und im Ausland unterwegs sind. In Holland kannst du sie an einer Hand abzählen.

Glamma Willy & MC Baldah (Jah Sound)
341: Nehmen die Leute in den Niederlanden, Reggae und Dancehall aus Deutschland wahr? Haben sie schon von Germaican Records, Gentleman oder Seeed gehört und wie gefällt es Euch persönlich?
J.S.: Es kommt gerade rüber, aber langsam. Persönlich mögen wir Gentleman- und die Germaican Tunes sehr. Überall wo wir die spielen, in Italien, der Schweiz oder in Deutschland, bekommen wir viel Forward dafür.
341: Welche Events, Konzerte und Dances sollten Touristen besuchen, wenn es um Reggaedancehall in den Niederlanden geht?
J.S.: A - Jah Sound International und Stone Love im Paradiso in Amsterdam. Es ist der größte Soundsystem Event in den Niederlanden, mit 750 bis 1000 Besuchern. Außerdem könnt Ihr unter www.jahsound.com unsere gemeinsamen Dates mit David Rodigan finden.
B - Das Sundance Festival (um die 6000 Besucher).
341: Welches ist Euer Lieblingssound? Habt Ihr irgendwelche Vorbilder, die Euch inspirierten?
J.S.: Gemini, Electro Force, Jaro (Trooper), Stone Love, Metro Media, Supa Dee, Supatone, Rodigan, King Addies
341: In welchen Ländern auf der Welt hat Jah Sound schon gespielt?
J.S.: In Ländern wie Holland, Deutschland, Belgien, Italien, Schweiz, Österreich, England, Jamaika mit Sounds wie King Tubby`s, Soul Bunch (JA), Ital Sound (IT), One Love (IT), Gramigna(IT), Bass fi Mass(IT), Sisma Sound (IT), Godzilla (IT), Pow Pow (GER), Soundquake (GER), Top Franking (GER), Concrete Jungle (GER), Sentinel (GER), Unity Sound (CH), King Size Sound (CH), Free Bass (CH), Concord Sound (GER), Tarantula {IT), Robbo Ranks (UK), Lord Gellys (UK), Saxon (UK), DJ Village (UK), Ram Jam Sound (GER), Outtanational (GER), Earth Rockers (UK), Jet Star (UK), Willpower Foundation (UK), Kebra Negus (UK), Little Sample Sound (UK), Chris Goldfinger(UK), Xsitement Crew(UK) und vielen anderen mehr!!!
341: Ihr bietet an, Eure Dubplatekontakte zu nutzen. Wie organisiert Ihr das, welches Studio nutzt Ihr und wie garantiert Ihr den Sounds, die Eure Kontakte nutzen wollen, gute Tunes für ihr Geld?
J.S.: Wir arbeiten mit einigen Studios. Dies tun wir seit Jahren über unsere Kontakte. Die Leute sagen uns welchen Tune sie auf welchem Riddim haben wollen und was im Intro gesagt werden muss. Natürlich brauchen wir ebenso alle Soundinfos, damit der Artist alles weiß was er braucht, um einen fetten Tune zu machen. Man bezahlt uns über Western Union und dann erhält man die Aufnahme als mp3, auf Dat, CD oder als E-mail. Wir liefern immer getrennte (separierte) Aufnahmen, so können es sich die Leute mixen, wie Sie wollen.

Glamma Willy & MC Baldah (Jah Sound)
341: Was sind Eure Pläne für die Zukunft?
J.S.: Wir wollen nach Italien, Deutschland, der Schweiz und andere Orte zurückkehren, damit sich die Leute erfreuen. Wir mögen die lachenden Gesichter sehr. Wir treten diesen Sommer in Italien, den USA und in weiteren Orten auf, deswegen fühlen wir uns gut, 2004. Stone Love und Rodigan kommen demnächst zu uns und später werden wir unsere 15 jährige Geburtstagstour präsentieren. Leute, die Interesse an Jah Sound International und live Artistes haben, können uns kontaktieren.
341: Wie war Eure Zeit in Leipzig?
J.S.: Wir hatten eine wunderbare Zeit und ich denke, die Upliftment Crew ist sehr professionell und weiß die Sachen richtig anzugehen... richtig? Leipzig hat eine nette Crowd, welche die Vibez liebt und in Zukunft sieht es für Leipzig mit den Upliftmentshows gut aus. Sie sind der Beweis, das auch ein neuer Sound gut arbeiten kann, gerade wenn sie neu sind.
341: Wir wissen das Ihr Raucher seid. Da das bei Euch ja irgendwie legal ist, habt Ihr keinen Ärger damit... aber wie befreit man den Rest des Alten Europas vom Weed-Verbot?
J.S.: Diese Säcke von Politikern müssen aufhören, 100 $ US Whisky zu trinken, aufhören Kokain zu sniffen, aufhören mit ihren Betrügereien und einen Spliff rauchen. Das wird ihre Augen öffnen. Ganja ist die Heilung des Volkes (hahaha)!!!
germaica.net/341: Danke für das nette Interview und einmal mehr Respekt!!!
Jah Sound: Peace Out
Interview: Mr. K für germaica.net/341
Photos: germaica.net/341
offizielle Jah Sound Homepage: www.jahsound.com |